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ACTA Samstag

Ich habe die ACTA Demo vom Samstag immer noch nicht so richtig verdaut. Das hat wahrscheinlich mit meiner Erwartungshaltung zu tun, die ich in der einstündigen Zugfahrt nach Dortmund aufgebaut habe. Ich hatte erwartet die üblichen Verdächtigen zu treffen, also 200-300 Informatikstudenten, Althippies und Piratenparteimitglieder. Aber das Bild, das sich uns von der obersten Stufe der Freitreppe am Dortmunder Bahnhof bot war ein ganz anderes. Rund um ein Zentrum aus orangenen Fahnen, hatte sich ein zehnmal größeres Publikum versammelt, das man in den alten Medien wohl als Generation Facebook bezeichnen würde. Das Durchschnittsalter der Demonstrationsteilnehmer dürfte sich bei ca 20 Jahren eingependelt haben. Da kann man sich mit schnell ziemlich alt vorkommen. (Das haben auch andere bemerkt.)

Sehr schön war auch, dass sich neben den obligatorischen Guy Fawkes Masken auch die meisten anderen Memes eingefunden haben. Da gab es Trollfaces, Nyan-Cats, Penisse, Minecraft Guy, etc ... , einen shiny Lautsprecher Roboter und jemanden mit einem "Esst mehr Käsetoast" Schild. Die muss sich wohl verlaufen haben. Jedenfalls hatte mit Sicherheit seit den 60ern wohl keiner mehr so viel Spass auf einer Demo.

Ein wichtigerer Aspekt war aber die inhaltliche Ausrichtung. Von den 2500-3000 Teilnehmern hätte wahrscheinlich nicht einmal die Hälfte erklären können worum es bei der Demo genau geht und es waren auch verhältnismäßig wenige Anti-ACTA Schilder und Banner zu sehen. Macht nix, denn:

"Die europaweiten Proteste gegen Acta machen jetzt viele Politiker nachdenklich. So viele junge Leute hatten sie nun wirklich nicht erwartet. Und wer Augen hatte, konnte sehen, dass der Protest weit über Acta hinaus ging. Der Unmut richtete sich generell gegen die Art, wie in Europas Amtsstuben Politik gemacht wird. " (Quelle: carta.info)

Die Leute haben die Art und Weise unserer Politiker und wie Politk gemacht wird satt. Dieser allgemeine Unmut, dieses Gefühl kurz vorm Erbrechen zu sein, war überall zu spüren. Und anstatt kooperativ zu agieren oder auch nur ansatzweise Bürgernähe zu simulieren, schaufeln die Bürokraten in Brüssel weiter an ihrem eigenen Grab:

"In den Protokollen werden die Straßenproteste wie die Aktionen gegen Regierungs-Webseiten in Österreich und Tschechien als Aktionen der Netzgemeinde bewertet, die durch mangelhafte Informationen entstanden seien." (Quelle: heise)

Diese Arroganz muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Widerlich. Aber solange jemand wie die Galionsfigur der Rechtschaffenheit Bundespräsident bleiben kann, wird sich an der Situation wenig ändern. Andererseits treibt dieses ungebührliche Verhalten mehr und mehr Leute in die Arme der Piratenparteien und anderer demokratiefördernden Organisationen. Insofern reguliert sich das System dann doch wieder selbst. Und obwohl die Demo am Samstag vollkommen friedlich abgelaufen ist, kann ich nur hoffen, dass dieser Politikwechsel schnell genug geht, sonst brennen bei uns nämlich demnächst auch die Städte, wie jetzt in Athen zu sehen.

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